#30: Griechenland am Abgrund

Wandzeitung #30, Juni 2015

Griechenland am Abgrund

Karl Heinz Roth

Griechenland befindet sich am Rand einer humanitären Katastrophe. Der Zusammenbruch der Banken und ein Staatsbankrott sind nicht auszuschließen, seitdem die von Deutschland dominierten Gläubiger der Ende Januar 2015 neu gewählten Linksregierung unter Alexis Tsipras (Syriza) den Geldhahn zugedreht haben.

Mit Häme und Beschimpfungen wird der griechische Finanzminister Yanis Varoufakis, ein vielfach ausgezeichneter Ökonom, der mit dem Wirtschafts-Nobelpreisträger Paul Krugman publizierte, von seinen Kollegen in der EU bedacht, auch wenn er davon spricht, dass „nicht Griechenland gerettet worden sei, sondern Banken und verschiedene Hedgefonds“.

Weil vor allem die deutschen Eliten mit Unterstützung ihrer europäischen Partner dabei sind, die griechische Gesellschaft auf den Abgrund zuzutreiben, begründet Karl Heinz Roth Vorschläge zu einer moralisch-politischen Alternative: Deutschland soll endlich seine Reparationsschulden begleichen und für den Wiederaufbau Griechenlands zur Verfügung stellen.

Denn es ist das zweite Mal in der jüngeren Geschichte Griechenlands, dass Deutsche als zentrale Akteure das Land in den Würgegriff genommen haben: Im April 1941 überfiel die deutsche Wehrmacht das Land und errichtete eine brutale Besatzungsherrschaft, während der Massaker an der Zivilbevölkerung verübt und die Wirtschaft ausgeraubt wurden. Karl Heinz Roth rekonstruiert zusätzlich die Hypotheken der deutschen Besatzungsherrschaft – einschließlich der skandalösen Praktiken der westdeutschen Nachkriegseliten zur Vermeidung von Reparationszahlungen.

Karl Heinz Roth ist Historiker, Mediziner und Vorstandsmitglied der Stiftung für Sozialgeschichte des 20. Jahrhunderts in Bremen. 2015 veröffentlichte er die Flugschrift „griechenland am abgrund. die deutsche reparationsschuld“ im VSA Verlag, Hamburg. Dieser Text ist Grundlage der nächsten Wandzeitung.

Mit Unterstützung von Kurt Lhotzky und seiner Buchhandlung.
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