#14: Praxinoskop

Wandzeitung #14, März 2013

Praxinoskop

Bernd Oppl

Für diese Ausgabe der Wandzeitung entwickelte Bernd Oppl ein Objekt, das sich der Technik des Praxinoskop bedient: eine optische Apparatur, die ein Vorläufer der Kinematographie war.

Das Praxinoskop ist eine rotierende vieleckige Trommel, an der sich innenseitig des äußeren vieleckigen Randes eine zyklische Abfolge von Bildern befindet. Durch die Spiegelung dieser Bilder auf Facettenspiegel in der Mitte der Trommel können die Bilder als Bewegt-Bild wahrgenommen werden. In Bernd Oppls Version des Praxinoskops ist eine abstrakte Animation zu sehen, in der sich ein schwarze Fl.che in eine weiße Fläche auflöst. In der bewegten Spiegelung wird eine Illusion von R.umlichkeit erzeugt. Das Objekt verweist somit auf die grundlegende Eigenschaft von Film, illusionäre Räume in der Vorstellung entstehen zu lassen.

«Bernd Oppls Objekte und Installationen sind autonom agierende Apparaturen. Im Mittelpunkt stehen architektonisch-räumliche Strukturen, Dioramen und Miniaturinterieurs. Diese Darstellungen von Räumen sind verschiedenen Settings, sich in unterschiedlichem Tempo verändernden Wahrnehmungsbedingungen ausgesetzt. Beispielsweise richtet Oppl das Objektiv einer Videokamera auf maschinell bewegte Raummodelle und zeigt die Aufnahme gleichzeitig über einen Monitor oder als Projektion an der Wand. Er spielt mit Konstanten der Wahrnehmung von Filmaufnahmen. Die Apparate ermöglichen die zeitgleiche Wahrnehmung von Produktion, Produktionsbedingungen und Ergebnis. Es werden Diskrepanzen zwischenden Gewohnheiten der Perzeption von Filmen und der tatsächlichen Aufnahmesituation deutlich: zwischender Größe der Kulisse und dem Eindruck eines begehbaren architektonischen Raums im filmischen Ergebnisoder als vermeintliche Bewegung der Kamera, die eigentlich durch eine Bewegung des Raummodellsevoziert wird. […] »
ANNA SPOHN

www.berndoppl.net